Ein Downgrade und eine mögliche Marktöffnung in China treffen bei Novo Nordisk am selben Tag aufeinander. Die Deutsche Bank stuft die Aktie von “Hold” auf “Sell” ab, während Chinas Arzneimittelbehörde den Zulassungsantrag für die Wegovy-Tablette zur Prüfung angenommen hat. Die Aktie reagierte am Donnerstag mit Kursverlusten von zeitweise mehr als drei Prozent in Kopenhagen.
Deutsche Bank sieht Wachstumsprobleme bis 2027
Analyst Emmanuel Papadakis senkte das Kursziel von 290 auf 265 dänische Kronen, umgerechnet rund 35 Euro — deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs. Begründet wird der Schritt mit den durchwachsenen Quartalszahlen vom Monatsanfang und anhaltender Unsicherheit nach Gesprächen mit Investoren.
Novo hatte zwar überraschend früh die Jahresprognose für Gewinn und Umsatz angehoben, auf eine Spanne von null bis minus sechs Prozent gegenüber 2025. Anleger konzentrierten sich jedoch auf einen leichten Umsatzverfehler bei der Wegovy-Pille sowie einen Rückschlag in der Studie zum Nachfolgepräparat CagriSema.
Die Wegovy-Pille erzielte im Quartal Erlöse von 3,22 Milliarden dänischen Kronen — knapp unter den erwarteten 3,3 Milliarden. Das dämpft Hoffnungen, dass das frühe Momentum anhält.
Papadakis verweist zudem darauf, dass der Wirkstoff Ziltivekimab aus der Pipeline-Betrachtung praktisch herausgefallen sei und der Medicare-Effekt begrenzt bleibe. Es ist bereits die zweite Abstufung der Deutschen Bank in diesem Jahr, nachdem die Aktie im Februar schon von “Buy” auf “Hold” gesenkt worden war.
China als Hoffnungsträger
Parallel zur Verkaufsempfehlung kommt aus China ein potenziell positives Signal. Die Zulassungsbehörde NMPA hat den Antrag für die orale Wegovy-Version offiziell zur Prüfung angenommen — das bedeutet noch keine Genehmigung, sondern lediglich, dass der Antrag vollständig ist und ins formelle Verfahren geht.
Novo will mit der täglich einzunehmenden Semaglutid-Tablette im zweitgrößten Pharmamarkt der Welt zu Eli Lilly aufschließen, dessen Konkurrenzprodukt Orforglipron bereits Ende 2025 eingereicht wurde.
Das Marktpotenzial ist beträchtlich: Bis 2030 könnten in China mehr als 65 Prozent der Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig sein. JPMorgan schätzt, dass der Umsatz mit GLP-1-Therapien zur Gewichtskontrolle dort in den kommenden fünf bis sieben Jahren von derzeit drei bis vier Milliarden Yuan auf rund 30 Milliarden Yuan steigen könnte.
Für Klarheit über die mittelfristige Wachstumsstrategie muss Novo Nordisk noch bis zum Kapitalmarkttag am 21. September warten. Dort dürfte der Konzern versuchen, die Zweifel der Deutschen Bank an einer Wachstumsrückkehr ab 2027 zu entkräften und gleichzeitig das Potenzial des China-Geschäfts zu konkretisieren.
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