Der spezialisierte Cloud-Anbieter CoreWeave bleibt im Fokus der Anleger, während sich Insider-Aktivitäten und eine massive Diskrepanz in den Analystenbewertungen überschneiden.
Während das Unternehmen operativ von der ungebrochenen Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz profitiert, belastete eine Meldung über Aktienverkäufe aus der Führungsebene die Stimmung kurzfristig. Das Papier beendete den gestrigen Handel bei 72,78 € und verzeichnete damit ein Minus von 2,3 %.
Insider-Verkauf und Kursreaktion
Am Mittwoch veräußerte die General Counsel von CoreWeave, Kristen J. McVeety, insgesamt 2.100 Aktien der Klasse A. Wie aus entsprechenden Meldungen hervorgeht, wurden die Papiere in drei Tranchen zu gewichteten Durchschnittskursen zwischen rund 87,39 und 89,24 US-Dollar abgestoßen.
Das Gesamtvolumen des Verkaufs belief sich auf etwa 185.000 US-Dollar. Es ist festzuhalten, dass dieser Schritt im Rahmen eines bereits am 28. Mai 2025 festgelegten 10b5-1-Handelsplans erfolgte, der automatisierte Verkäufe zu definierten Bedingungen vorsieht. Nach Abschluss der Transaktionen hält McVeety weiterhin eine direkte Position von 123.313 Aktien des Unternehmens.
An den Märkten sorgte diese Nachricht für leichte Verunsicherung, wenngleich Insider-Verkäufe unter festen Handelsplänen oft steuerliche Gründe oder eine Diversifizierung des Privatvermögens zum Hintergrund haben.
Trotz des jüngsten Rücksetzers zum Wochenabschluss zeigt die Aktie auf Sicht der vergangenen 30 Tage eine starke Performance und konnte in diesem Zeitraum um 37 % zulegen. Dennoch notiert der Titel mit einem Abstand von 4,2 % aktuell unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, der bei 76,00 € liegt.
Explosives Wachstum bei hohem Nettoverlust
Die operativen Kennzahlen für das zweite Quartal 2026 unterstreichen die dynamische Expansion des Unternehmens. CoreWeave konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 112 % auf 2,575 Milliarden US-Dollar steigern. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 1,510 Milliarden US-Dollar. Besonders bemerkenswert ist der Auftragsbestand (Backlog), der inzwischen ein Volumen von 104 Milliarden US-Dollar erreicht hat.
Diesem Wachstum stehen jedoch erhebliche Investitionen und Kosten gegenüber. Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 626 Millionen US-Dollar, was einem Minus von 1,14 US-Dollar je Aktie entspricht.
Die Schuldenlast von CoreWeave wird mit 35,1 Milliarden US-Dollar beziffert, was die kapitalintensive Natur des Geschäftsmodells verdeutlicht: Um die Marktnachfrage zu bedienen, muss das Unternehmen massiv in GPU-Infrastruktur investieren.
Erst am 20. August wurde eine mehrjährige Vereinbarung mit Hudson River Trading bekannt gegeben, in deren Rahmen modernste Nvidia-Vera-Rubin-Chips und Spectrum-X-Ethernet-Technologie zum Einsatz kommen sollen. Zudem erweiterte das Unternehmen am Dienstag seine Kooperation mit Rescale, um dessen Cloud-Ökosystem in die eigene Infrastruktur zu integrieren.
Wall Street uneinig über die Bewertung
Innerhalb der Analystenzunft herrscht derzeit eine seltene Uneinigkeit über den fairen Wert von CoreWeave. Die Kursziele klaffen so weit auseinander wie bei kaum einem anderen Wert im KI-Sektor. Während das Analysehaus Rosenblatt die Aktie mit „Buy“ einstuft und ein Ziel von 250 US-Dollar ausgibt, zeigt sich Bernstein deutlich skeptischer.
Dort wird der Titel mit „Underperform“ bewertet und das Kursziel auf lediglich 74 US-Dollar taxiert. Andere Institute wie Goldman Sachs und Truist ordnen sich mit Zielen zwischen 139 und 165 US-Dollar im Mittelfeld ein.
Die Optimisten verweisen auf die dominante Rolle von CoreWeave beim Zugang zu knappen Nvidia-GPUs, während Kritiker die hohe Verschuldung und den Konkurrenzdruck durch andere Anbieter wie Lambda thematisieren, die ebenfalls Milliardenbeträge zur Finanzierung neuer Chip-Flotten aufnehmen.
Die Marktkapitalisierung von CoreWeave beläuft sich umgerechnet auf 41,80 Milliarden €, was angesichts der volatilen Branchenstimmung und der anstehenden Investitionszyklen weiterhin für Diskussionsstoff sorgen dürfte.
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