Nach dem geglückten Einstieg von UniCredit bei der Commerzbank meldet sich Aufsichtsratschef Jens Weidmann mit deutlicher Kritik zu Wort. Sein Vorwurf: Die Italiener hätten sich die Kontrolle über die Frankfurter Bank gesichert, ohne den Aktionären eine angemessene Prämie zu zahlen. Das deutsche Übernahmerecht gehöre deshalb auf den Prüfstand.
Nur wenige Aktionäre haben angedient
Die Zahlen, die Weidmann der “Süddeutschen Zeitung” nannte, zeigen das eigentliche Problem. Von den rund 73 Prozent der Commerzbank-Aktien, die UniCredit hätten angedient werden können, wechselten am Ende nur knapp 18 Prozent tatsächlich den Besitzer. Groß- und Privatanleger stellten davon weniger als drei Prozentpunkte – den Rest lieferten Banken, die mit UniCredit verbunden sind.
Für Weidmann ergibt sich daraus ein klares Bild: UniCredit habe mit einem “finanziell unattraktiven Angebot” trotzdem eine Mehrheit erreicht, ohne eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen. Genau das wirft aus seiner Sicht Fragen zum deutschen Übernahmerecht auf, mit denen sich der Gesetzgeber befassen sollte.
Die Angebotsfrist ist zwar abgelaufen, der Deal aber noch nicht vollständig abgeschlossen – ausstehende Regulierungsfreigaben müssen noch erteilt werden, bevor UniCredit die angedienten Aktien tatsächlich übernehmen kann.
Bund soll vorerst an Bord bleiben
Parallel zur Kritik am Übernahmerecht positioniert sich Weidmann auch zur Rolle des Staates. Der Bund hält seit der Finanzkrise eine Beteiligung an der Commerzbank, die inzwischen auf rund 12 Prozent geschrumpft ist – damit bleibt er zweitgrößter Aktionär hinter UniCredit, die sich mittlerweile den Zugriff auf knapp 50 Prozent der Anteile gesichert hat.
Weidmann rät der Bundesregierung, ihre Position vorerst zu halten. Langfristig solle sich der Staat aus der einstigen Rettungsbeteiligung zurückziehen, in der aktuellen Phase mache es aber Sinn, als Aktionär die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten. Zuletzt gab es Spekulationen, wonach die Regierung offener für einen Ausstieg sein könnte, sollten sich beide Banken auf eine gemeinsame Strategie einigen.
Weidmann warnte zudem vor den Konsequenzen des UniCredit-Sparplans. Um binnen zwölf Monaten Kosten von 1,3 Milliarden Euro einzusparen, müsse auch in Deutschland deutlich reduziert werden. Wie die Bundesregierung auf seine Forderung nach einer Überprüfung des Übernahmerechts reagiert, ist bislang offen.
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