Der Berliner Kochboxen-Anbieter Hellofresh strafft seine globale Präsenz und zieht sich vollständig aus den Märkten in Spanien und Italien zurück. Medienberichten zufolge wurde in Spanien bereits ein kollektives Kündigungsverfahren eingeleitet, um den operativen Rückzug umzusetzen. Diese Entscheidung ist Teil einer umfassenden Strategie, die Ressourcen auf profitablere Kernmärkte zu konzentrieren und die Kostenstruktur zu verschlanken.

Effizienzprogramm soll Margendruck dämpfen

Parallel zum Marktaustritt treibt das Management ein striktes Effizienzprogramm voran. Bis Ende Juni wurden bereits 85 Prozent der geplanten Maßnahmen umgesetzt. Für das Jahr 2026 plant das Unternehmen zusätzliche Einsparungen in Höhe von 140 Millionen Euro, nachdem bereits im Jahr 2024 rund 160 Millionen Euro eingespart werden konnten. Ziel ist es, die operative Marge zu stabilisieren, die zuletzt unter Druck geraten war.

In einem schwierigen Marktumfeld kämpft Hellofresh mit einem Rückgang der Bestellungen, die im zweiten Quartal um 14 Prozent auf rund 22 Millionen sanken. Ein Lichtblick bleibt der durchschnittliche Bestellwert, der um 6,5 Prozent auf etwa 71 Euro stieg.

Dennoch musste das Unternehmen vor rund zwei Wochen einen Rückgang des währungsbereinigten Umsatzes um 7,8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro vermelden. Das bereinigte EBITDA sank im selben Zeitraum auf 120,6 Millionen Euro.

Fokus auf das zweite Halbjahr

Für das verbleibende Geschäftsjahr stuft Hellofresh die Erwartungen für das Umsatzwachstum nun am unteren Ende der ursprünglichen Prognosespanne ein. Das Management rechnet mit einem Rückgang zwischen 3 und 6 Prozent.

Als entscheidender Indikator für die Dynamik im zweiten Halbjahr gilt die laufende „Back-to-School“-Kampagne, die Neukunden binden und die Bestellfrequenz erhöhen soll. An der Ergebnisprognose für das bereinigte EBITDA von 375 bis 425 Millionen Euro hält das Unternehmen fest.

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Die operative Entwicklung spiegelt sich deutlich im Kursverlauf wider. Das Papier beendete den Handel am gestrigen Freitag bei 2,87 Euro. Damit notiert der Wert nur noch etwa 3,6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief, das erst am Donnerstag bei 2,77 Euro markiert wurde. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf 53 Prozent.

Analysten bewerten Neuausrichtung skeptisch

Die strategischen Anpassungen stoßen am Markt auf ein verhaltenes Echo. Vor rund zwei Wochen hatten mehrere Analysehäuser ihre Einschätzungen nach unten korrigiert.

Die Analysten von Barclays senkten das Kursziel auf 3,10 Euro, während Stifel die Einstufung auf „Sell“ mit einem Ziel von 3,00 Euro reduzierte. Beide Häuser reagierten damit unter anderem auf den deutlichen Rückgang beim Gewinn je Aktie, der im zweiten Quartal bei lediglich 0,02 Euro lag.

Im Kochboxen-Segment konnte die Marge mit 15,2 Prozent zwar stabil gehalten werden, doch der Rückgang beim freien Cashflow belastet die finanzielle Flexibilität.

In der ersten Jahreshälfte 2026 sank der Free Cashflow auf 49,4 Millionen Euro, verglichen mit 156,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen setzt nun darauf, durch die Verschlankung der Organisation und den Fokus auf effiziente Märkte die Profitabilität nachhaltig zu steigern.

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